Bier in den USA

Erfahrungen während meiner Reise 2019

Bier in den USA war ein Erlebnis. Deutschland hält sich für weltweit führend was Bier angeht und das Image von amerikanischem Bier ist hierzulande ziemlich schlecht. Ich hatte mich schon auf wässrig, geschmacklose Plörre von Budweiser, Coors und Miller eingestellt aber wurde sehr angenehm überrascht. Nach Ende der Prohibition überlebten in den USA nur eine Hand voll großer Brauereien. Diese hatten die Zeit über alkoholfreies Bier gebraut. Daraus entwickelten sich dann die paar Großbrauereien, die auch heute noch den Markt dominieren. Die Amerikaner hatten den Einheitsbräu irgendwann satt und es gab eine Gegenbewegung: Craft Beer! Von Kleinstbrauereinen in Handarbeit hergestellt ist das Bier das Gegenkonzept zum geschmacklosen Einerlei der Großkonzerne. Gebraut wird auch hier überwiegend nach dem Reinheitsgebot aber man findet auch kreative Ausnahmen. Es gibt unglaublich viele verschiedene Sorten, die sich auch zwischen den Brauereien dramatisch unterscheiden. In manchen Orten gibt es auch mehrere Brauereien, was die Entscheidung schwierig macht. Besser alle besuchen statt etwas zu verpassen! Das Bier verlässt nur selten die Region, in der es gebraut wird und so kamen wir überall in den Genuss neuer Biere.

Bei uns in Bayern bekommt man ein Helles, ein Weißbier, vielleicht ein dunkles Weißbier, mit Glück ein dunkles Bier, oft auch Pils und je nach Saison vielleicht einen Märzen oder Bock. Wer in eine deutsche Wirtschaft kommt und sich vornimmt, von jedem Bier eins zu trinken, kommt betrunken nach Hause. In den USA würde dieser Versuch eher im Krankenhaus enden - auf der Intensivstation. Die Bierauswahl oben stammt aus der Roadhouse Brewing Co. in Jackson, Wyoming.

Auch Bier aus Dosen oder Flaschen ist gut genießbar. Am besten kauft man es in der Brauerei. Dort kann man es frisch aus dem Zapfhahn entweder in Dosen oder mitgebrachte Thermokanister füllen lassen. Aber Walmart oder Tankstellen haben auch eine kleine Auswahl an Craft Beer in Flaschen.
Hier eine kleine Auswahl von links nach rechts:
".50 Caliber IPA" von Vernal Brewing. In Utah gibt es eine Besonderheit. Bier darf aus Zapfanlagen nur bis maximal 4% Alkohol ausgeschenkt werden. Aber Bier in Dosen oder Flaschen darf stärker sein und auch ausgeschenkt werden. Das Gesetz ist so unlogisch, es könnte aus Deutschland kommen. Also bemühen sich die Brauereien, gut schmeckendes Bier mit wenig Alkohol zu brauen, was zumeist auch ganz gut gelingt und gerade mittags angenehm zu trinken ist. Aber wie zum trotz findet man auch recht heftige Sorten wie dieses. Dabei war es mit nur 8,5% noch nicht das stärkste Bier, das ich getrunken habe.
Bei "Squatter's Juicy IPA" gefällt nicht nur die schön bunte Dose sondern auch der Inhalt. Es sieht aus wie unsere lieblingssorte IPA aussehen muss: Milchig trüb. Und es schmeckt auch so: Schön fruchtig. Mit nur 4% ideal für mittags.
Das "Moose Drool" (Elch Sabber) von Big Sky Brewing Co. habe ich an der Tankstelle entdeckt und das Motiv der Flasche hat mich sehr angesprochen. Also musste es mit und hat uns einige Zeit begleitet. Süffig dunkles Bier. Kostet an der Tankstelle erstaunlicherweise nicht mehr als im Walmart. Die Preise liegen meist um die 10$ für 6x0,33L.

Der schnellste Weg, möglichst viele Biere kennenzulernen, ist einen "Beer Flight" zu bestellen. Der besteht aus je 4oz unterschiedlichem Bier und man kann sie selbst zusammenstellen. Auf dem Bild zu sehen ist v.l.n.r. Huckleberry Beer, Amber, IPA und ein Stout. Ein kurzer Abschweif zu den Maßeinheiten. 16 oz sind ein Pint, das zwar nicht gleich dem Englischen Pint ist aber etwa einer "halben" entspricht. Es wird aber auch Bier in anderen Größen angeboten.
Tipp: Keinen "Pitcher" zu zweit bestellen denn das sind 4 Pint. Wir haben das mal in Kanada gemacht und waren froh, zum Hotel laufen zu können. Apropos: Wenn man nicht super zentral wohnt, muss man fahren weil einfach alles viel zu weit zum Laufen ist und man sollte es bei einem Bier belassen. In Utah besser gleich mit dem Taxi fahren denn dort ist das Limit 0,01% Blutalkohol. In den USA gilt Law & Order, was für uns eher ungewohnt ist.

Der Geschmack der helleren Biere ist durchwegs frischer als bei uns. Ich probierte Helles und Weißbier auf andere Art gebraut und finde es wesentlich schmackhafter als bei uns. Irgendwie schmecken Biere bei uns für mich eher muffig und schweißig. Die amerikanischen Craft Biere fand ich aromatischer und fruchtiger, viel hopfiger ohne bitter zu sein. Verlässt man den Rahmen des Reinheitsgebots tun sich ganz neue, ungeahnte Welten auf. Ich kann mich an verschiedene Biere erinnern, die in Richtung Schokolade und Vanille gingen. Zum Beispiel das Denver Beer "Cocoa Cream Graham Cracker Porter" und das Boulder Brewing Company "Shake Chocolate Porter". Zum Essen fast zu dominant aber ideal als Nachtisch. Auch Früchte finden den Weg in den Kessel für ganz neue Sphären an Aromen. Warum eigentlich nicht? So lange die Zutaten natürlich sind und keine Chemie und Aromen aus dem Labor dabei sind.
Eigentlich ist es unfair, einige Biere teilweise zufällig hier herauszuheben denn von den mehr als 50 verschiedenen Bieren, die ich probierte, waren die allermeisten exzellent oder wenigstens sehr gut.

Mir gefällt auch der politische Aspekt hinter der Craft Beer Bewegung: Weg von den global agiereneden Großkonzernen und ihren industriellen Einheitsprodukten und hin zu hochqualitativer, individueller und lokal produzierter Ware aus Familienbetrieben. Deutsche Brauereien sind überwiegend nur noch ein Mythos und nicht mal mehr wirklich deutsch sondern werden nach und nach von Großkonzernen wie z.B. ABInBev aufgekauft, die auch nur durch die Fusion von mehreren Braugiganten entstanden sind. Gebraut wird großindustriell prozessoptimiert, u.a. unter Verwendung von Hopfenextrakt oder Malzextrakt. Ist ein Bier, das aus Extrakten zusammengemischt wird, eigentlich noch ein gebrautes Bier oder schon eher Alkopop? Schmeckt vielleicht nicht so toll wie echte Zutaten aber lässt sich leichter verarbeiten und ist kostenoptimiert. Den Deutschen ist beim Essen und Trinken vor allem der Preis wichtig und so stört sich niemand daran. Ich hoffe, dass Craft Bier zur Mode wird und so zur Wiederbelebung der Bierkultur führt. Können bitte mal ein paar Microbreweries ein paar Dutt tragenden Hipster-Influencern auf Instagram eine Flasche ihres Bieres in die Hand drücken damit das zum Hype wird?

Wieder zurück in Deutschland schmeckte mir das gewohnte, heimische Bier noch weniger als vorher und ich machte mich auf die Suche nach deutschem Craft Beer. Hierzulande gibt es durchaus auch Brauereien, die dem Trend folgen. Es ist etwas schwierig zu finden, was ich suche. Anscheinend sind viele deutsche Craft Biere dem deutschen Biergeschmack angepasst. Letzlich bleibt ihnen nicht anderes übrig, denn sie operieren ohnehin schon in einer sehr kleinen Nische des Marktes und können sich kaum erlauben, zu exotische Biere zu brauen, die einen noch kleineren Kreis ansprechen. Aber ich gebe nicht auf bis ich etwas für meinen Geschmack gefunden habe und es waren auch schon viele leckere Biere dabei. Wonach ich suche, sind letztlich New England Style Hazy IPAs weil die so schön fruchtig sind, stark gehopfte "normale" IPAs weil ich solche Hopfenhammer liebe, verschiedene dunkle Biere weil die so schön malzig sind und allerlei Interessantes dazwischen. Damit ich mir irgendwie merken kann, was ich probiert habe und wie es war, mache ich mir hier Notizen zur Verkostung. Die Bewertung hängt natürlich sehr stark von meinen Vorlieben ab. Aktuell ist die Punkteskala nach oben offen aber angedacht sind maximum 10 Punkte, wobei 9 und 10 Punkte für etwas sehr außergwöhnliches reserviert sind. Mit zunehmender Anzahl probierter Biere wird die Bewertung immer schwieriger. Ist das Bier heute besser als das vor drei Tagen? Wie unterscheidet es sich überhaupt?

Brauerei Bier % Punkte Kommentar
Camba Airborne Copper Fish 8,8 Daniel Martin Braumeister Edition. Süß, malzig, beerig. Schöne Abwechslung.
Camba Amber 7,2 Lecker malzig und schön hopfig
Camba Benediktus Märzen 6,0 Schmeckt kaum wie ein typisches Märzen und auch ungewöhnlich dunkel. Schönes Aroma mit Malz und Karamell.
Camba Black Shark Imperial Black IPA 8,5 Pechschwarz und super heftig. 120 IBU. Malzig, hopfig, rauchig, viele Röstaromen. Ein Bier für besondere Anlässe und zu besonders kräftigen Gerichten, sicher nichts für jeden Tag.
Camba Bavarian Summer 5,3 Süffig, leicht hopfiges, etwas besseres Session IPA. Passt gut zum Sommer da es eher gegen Durst als für Rausch hilft.
Camba Dark Side 5,6 Schön malzig herb
Camba Die Therese 6,2 So wie die Therese müsste Wiesnbier schmecken - tut es aber leider nicht.
Camba Dreckiges Bienchen 5,5 Ich mag eigentlich Weißbier nicht so gerne aber dieses finde ich lecker. Dunkle Farbe, Aromen von Malz und Karamell, leicht rauchig.
Camba Hop Fusion American IPA 7,0 Gebraut in Kooperation mit der Fat Head's Brewery. Super schön fruchtig, hopfig leckeres IPA. Bisher mein Lieblingsbier von Camba und sogar Lieblingsbier überhaupt.
Camba Hop Gun 6,4 Schön hopfiges brown ale. Erinnert mich etwas an das Moose Drool, das ich in den USA oft getrunken habe.
Camba Hopla 5,4 Hopfigeres Lager
Camba Imperial Pale Ale 8,9 Schon lecker aber da geht noch mehr Hopfen
Camba IPA 6,6 Besser als das Pale Ale von Camba
Camba Mastrobator 8,5 Das Starkbier mit dem Buchstabendreher im Namen überzeugt mich nicht wirklich. Ich finde es schmeckt wie gewöhnliches, dunkles Starbier. Zu viel Alkohol für zu wenig Geschmack.
Camba Pale Ale 5,3 Wünsche ich mir irgendwie hopfiger
Camba Paragraph 14 Wet Hop Pils 5,5 So muss ein Pils schmecken
Camba Resilience Pale Ale 5,3 Vor Ort in der Brauerei probiert. Erlös ging zur Unterstützung der von den Bränden im Jahr 2020 betroffenen Australier. Schwer zu bewerten da ich direkt vorher ein sehr hopfiges Bier probierte. Eher milder Geschmack im Vergleich.
Camba Samba New England Pale Ale 7,2 Juhu, ein deutsches New England Pale Ale! Schön fruchtig und hopfig herb. In den USA hatte ich NEIPAs, die mehr Fruchtsaft als Bier waren. Dieses ist nicht so saftig aber auch sehr lecker.
Camba 4 Sessions Session Pale Ale 4,1 Trüb und süffig, ideales Sommerbier. Wünsche ich mir nur hopfiger
Camba UProLax 5,5 Cambas Kreation, die sie wie ein Abführmittel benannt haben, ist nicht mein Favorit. Nicht wirklich hopfig, nicht wirklich malzig, eher unspektakulär.
Crew Republic Drunken Sailor IPA 6,4 Hopfig herb und ein kleinwenig fruchtig. Schmeckt ähnlich dem West Coast IPA
Crew Republic Foundation 11 German Pale Ale 5,6 Pale Ale, das irgendwie ein wenig nach "Hellem" schmeckt
Crew Republic Hop Junkie Session IPA 3,4 Unerwartet hopfig für ein schwaches Bier, eher bitter als fruchtig, super Durstlöscher
Crew Republic Rest In Peace Barley Wine 10,1 Nicht Bier, nicht Wein. Halbdunkel, malzig herb, super stark.
Crew Republic West Coast IPA 6,8 Geschmacklich irgendwie ähnlich dem Hop Junkie Session iPA der gleichen Brauerei nur mit mehr Alkohol
Giesinger Lemondrop Triple 7,5 Nicht so richtig fruchtig, mit etwas gärigem Beigeschmack
Haderner Bräu München IPA 6,0 Naturtrüb, eher herb aber keine fruchtigen Hopfennoten.
Lidl / Steam Brew German Red 7,9 Craft Beer vom Lidl für 0,75€ pro 0,5L Dose. Klares, rotes Bier, leicht hopfig, leicht süß. Wie die anderen Steam Brew Biere nicht allzu aufdringlich im Geschmack. Punktabzug für Hopfenextrakt.
Lidl / Steam Brew Imperial IPA 7,8 Craft Beer vom Lidl für 0,75€ pro 0,5L Dose. Leicht trüb, aromatisch und gehaltvoll. Sehr viel leckeres Bier für wenig Geld. Punktabzug für Hopfenextrakt.
Lidl / Steam Brew Imperial Stout 7,5 Craft Beer vom Lidl für 0,75€ pro 0,5L Dose. Schön malzig, leicht rauchig aber wie alle Lidl Biere etwas dünn trotz viel Alkohol. Wird besser nach einer halben Dose aber es geht deutlich mehr Geschmack mit weniger Alkohol. Wie alle Lidl Biere Preis / Leistung top. Punktabzug für Hopfenextrakt.
Lidl / Steam Brew Session IPA 4,9 Craft Beer vom Lidl für 0,75€ pro 0,5L Dose. Leicht trüb. Süffig, eher schorlig. Erst etwas fruchtig, dann herb. Wie all Lidl Biere Preis / Leistung top. Punktabzug für Hopfenextrakt.
Lidl / Steam Brew Weizen Pale Ale 5,6 Craft Beer vom Lidl für 0,75€ pro 0,5L Dose. Trüb und für ein Weizen recht herb und wenig von dem Weißbiergeschmack, den ich nicht so gern mag. Bestes helles Weißbier bisher. Punktabzug für Hopfenextrakt.
Riedenburger Brauhaus Dinkelmalz 0,0 Meine Großmutter hat mir als Kind oft Malzbier mitgebracht. Deshalb ruft Malzbier bei mir wunderschöne Erinnerungen an die Zeit mit meiner Großmutter hervor. Das Malzbier von Riedenburger könnte malziger und weniger süß sein. Insgesamt ist es deutlich besser als Karamalz oder ähnliche. Pluspunkt für Bioqualität
Riedenburger Brauhaus Dolden Dark Porter 6,9 Schön dunkel, rauchig malzig, erdig, mit Karamellnote. Pluspunkt für Bioqualität
Riedenburger Brauhaus Dolden Sud IPA 6,5 Trübes IPA, schön hopfig aber nicht so fruchtig wie erwartet. Etwas gäriger Beigeschmack. Pluspunkt für Bioqualität
Riedenburger Brauhaus Dolden Null IPA 0,5 Leicht trübes, alkoholfreies Gebräu. Mehr Limo als Bier. Geschmacklich anders aber begeistert etwa gleich wie das Heinz von Stein alkoholfreie Bier (wie es früher gebraut wurde). Pluspunkt für Bioqualität
Wieninger Bier Gmoastier 9,0 Weißer Bock, kaltgehopft. Sehr fruchtiges Bier, das primär nach Banane und Ananas schmeckt. Am besten serviert in einem großen Weinglas.

Die Auswahl der probierten Biere war vor allem durch das regionale Angebot in den Märkten bestimmt. Ich könnte auch im Versandhandel Bier aus ganz Deutschland, Europa oder sogar den USA kaufen aber finde das irgendwie nicht richtig. Zum einen wird das Bier vermutlich nicht besser wenn es um die halbe Welt transportiert wird, zum anderen bevorzuge ich regionale Produkte wenn möglich. In meiner neuen Wahlheimat, dem Chiemgau, gibt es auch sehr gutes Bier. Camba in Seeon braut hervorragende Biere, die regelmäßig internationale Preise gewinnen. Auch erwähnenswert ist die Kymsee Brauerei und Destillerie. Das Bier von Kymsee ist lecker und etwas anders als der Mainstream. Ich würde vor allem einen Besuch der Brauerei mit Führung empfehlen da mir die sehr gut gefallen hat. Der Besuch der Camba Brauerei war ebenso ein tolles Erlebnis.