Reinigung eines alten russischen Projektorobjektivs

Einleitung

Ich bin zufällig auf Fotos aufmerksam geworden, die mit alten Projektorobjektiven gemacht wurden und fand diese interessant. Anscheinend gibt es schon lange Fotografen, die alte Objektive an moderne Kameras adaptieren und Mathieu Stern hat die Idee medial popularisiert. Über seine Arbeit wurde schon öfter in der Fotofachpresse berichtet. Ich las einen Bericht zum Kipronar 105mm Objektiv, sah seine Fotos und sein Video und fand Gefallen an der Idee, selbst ein altes Objektiv zu adaptieren.

LOMO 50mm f/1.2 Projektorobjektiv

LOMO 50mm f/1.2 lens arrangement
Alle Objektive, die plötzlich viel Aufmerksamkeit erhielten, stiegen dramatisch im Preis auf dem Markt. Ich versuchte einige Kipronar Objektive zu ersteigern aber war nicht bereit, mehr als 60€ zu bieten. In der Rückbetrachtung wäre das allerdings ein Schnäppchen gewesen. Nach einiger Recherche fand ich alte, russische 50mm f/1.2 Projektorobjektive von LOMO, die in großen Mengen und zu erschwinglichen Preisen um 40€ angeboten werden. Ich entschied mich für solch ein Objektiv.
LOMO 50mm f/1.2 lens outer diemansions
Ein wichtiges Kriterium für die Nutzung eines alten Projektorobjektivs ist die Möglichkeit, dieses an die Kamera zu adaptieren. Wie das genau funktioniert, beschreibe ich in einem extra Artikel. Entscheidend für die Adaptierbarkeit sind unter anderem die äußeren Abmessungen. Dieses Objektiv hat kameraseitig 38mm Durchmesser und für dieses Maß fand ich einen Klemmmring zum Anschluss an den weiteren Aufbau.

Equipment

LOMO 50mm f/1.2 lens equipment
Alte Objektive sind oft innerlich verunreinigt, meist von Schimmel befallen. Meines war hier keine Ausnahme. Ich halte es für möglich, dass dieser Schimmel auch andere Objektive infizieren kann und fand eine Reinigung unerlässlich. Zudem beeinträchtigt der Schmutz und Schimmel die optische Abbildung. Um ein Objektiv zu zerlegen braucht man einen Schlüssel um die Spannringe schrauben zu können. Diese gibt es schon sehr günstig. Meiner hat inklusive Versand weniger als 10€ gekostet. Ich entschied mich für eine leicht gekröpfte Ausführung da ich nicht wustte, ob ich tief im Inneren des Objektivs schwer zugängliche Ringe schrauben muss. Außerdem benötigt werden Reinigungsmittel, die wirksam gegen Schimmel sind. Ich hatte nur Aceton und Isopropanol zu Hause. Beide haben eine gewisse fungizide Wirkung aber keine Sporen abtötende Wirkung. Ich würde empfehlen, einen speziellen Schimmelentferner vorab zu verwenden. Die beiden Lösungsmittel sind jedoch gut zum Reinigen und Entfetten. Handschuhe zum Schutz der Haut und gute Lüftung sind für diese Arbeiten wichtig.

Reinigung des Objektivs

LOMO 50mm f/1.2 lens disassembly
Das Objektiv ließ sich wesentlich einfacher zerlegen als ich dachte. Alle Linsen sind in Metallringen gefasst und nur vom vorderen und hinteren Spannring im Objektivkörper gehalten. Nach dem Entfernen des vorderen Spannrings lassen sich alle Linsen herausnehmen. Wichtig ist, bei der Demontage einen Plan der Anordnung und Orientierung der Linsen zu machen. Ich fand praktischerweise Zeichnungen online. Die Linsen dieses Objektivs sind sehr markant ausgeprägt und es gibt kaum Verwechslungsgefahr. Die Einzelteile sind einfach zu reinigen. Ich habe erstaunliche Mengen an Schmutz entfernt. Bei der Montage ist natürlich darauf zu achten, dass alles sauber un frei von Staub und Fuseln ist. Der Blick durch das Objektiv hat sich durch die Reinigung dramatisch verbessert. Die Frontlinse zeigt auf der Innenseite noch Veränderungen aber diese könnten schon bei der Produktion entstanden sein.

Zusammenfassung

Die Demontage, Reinigung und Zusammenbau des Objektivs ist nicht schwierig und für handwerklich begabte Bastler gut machbar. Die Investition in Optik und Werkzeug sind finanziell erschwinglich. In einem weiteren Artikel beschreibe ich, die Adaption von Objektiven an Kameras allgemein und speziell dieses Objektivs.