Adaption eines alten russischen Projektorobjektivs

16KP-1.2/50

Einleitung

Hier beschreibe ich das Prinzip, ein beliebiges Objektiv an eine Kamera zu adaptieren am Beispiel meines 50mm f/1.2 Projektorobjektivs (16KP-1.2/50).

Material

Folgende Teile werden benötigt:

  • Objektiv
  • Klemmring um das Objektiv an ein übliches Optikgewinde zu adaptieren
  • Eventuell einen Adapter zum Fokuseinstellgewinde
  • Fokuseinstellgewinde
  • Adapter auf das Kamerabajonett
  • Eventuell etwas Schraubensicherung

Aufbau

KP16-1.2 50mm f/1.2 lens with wrong adapter
Adapter für viele Objektive gibt es bei RAF Camera. Die Adapter sind ziemlich teuer aber machen einen wertigen Eindruck. Ich kaufte diesen Adapter von 38mm auf M42 aber eigentlich wollte ich einen Adapter von 38mm auf M65, nur war dieser damals nicht lieferbar. Der Adapter auf M65 ermöglicht, die Entfernung des Objektivs zum Sensor einzustellen. Ich habe beim Kauf übersehen, dass der Adapter auf M42 dies nicht bietet. Es gibt jedoch einen anderen Adapter von 38mm auf M42 und dieser wäre geeignet. Also habe ich den einzig untauglichen der drei Adapter gekauft.

Für den Adapter, der auf das M42x1 Gewinde endet, besorgte ich noch einen M42x1 auf M65x1 Adapter. Diese Adapter gibt es günstig auf Aliexpress.

Die Fokuseinstellgewinde gibt es in allerlei Größen ebenso auf Aliexpress. Ich entschied mich für die Größe M65 weil das universeller einsetzbar da auch für Objektive mit größerem Durchmesser geeignet ist.

Zuletzt wird noch ein Adapter von M65 auf das jeweilige Kamerabajonett benötigt. In meinem Fall das Nikon Z Bajonett.

Um zu verhindern, dass der Aufbau bei Benutzung versehentlich auseinandergeschraubt wird, ist etwas Schraubensicherung eine gute Idee. Ich verwendete Teflonband um die Gewinde der Verschraubungen schwergängiger zu machen. So lassen sich die Teile auch leicht wieder demontieren ohne Rückstände auf den Gewinden zu hinterlassen. Flüssige Schraubensicherung wäre auch eine Option, vor allem wenn die Gewinde nicht mehr gelöst werden sollen.

Objektiv an der Kamera

Am meine Nikon Z50 montiert sieht das Objektiv wie oben abgebildet aus. Zwar sehen alte Objektive an neue spiegellose Kameras adaptiert oft komisch aus aber dieses sieht besonders schräg aus. Das liegt vor allem daran, dass das Objektiv aufgrund des unpassenden Adapters viel zu weit von der Kamera entfernt ist. Es sollte wesentlich näher an der Kamera sein. Durch den unpassenden Adapter ist das Objektiv nur im Makrobereich nutzbar.

Nacharbeit Adapter

LOMO 50mm f/1.2 lens adapter complete
Nachdem die Adaption so nicht wie geplant funktionierte, gab ich den falsch gekauften Adapter einem Freund, der ihn für mich auf der Drehmaschine nacharbeitete. Nun kann das Objektiv durch den Adapter hindurch geschoben werden. Ist das Objektiv bis zum Anschlag in das Fokuseinstellgewinde eingeführt, schließt es auf der anderen Seite etwa bündig damit ab. Diese Lösung erlaubt nun, bis unendlich zu fokussieren (und sogar etwas darüber hinaus) und auch sehr nahe Fokusdistanzen für Makroaufnahmen sind möglich. Es wäre einfach möglich, einen Anschlag bei unendlicher Fokusentfernung herzustellen. An die Kamera montiert sieht das Objektiv samt Adapter nun auch nicht mehr so bescheuert aus.

Beispielbilder

Hier ein paar Beispielbilder mit passendem Adapter an meiner Nikon Z6:

Zusammenfassung

Das Objektiv ist inklusive Adapter kompakt aber mit 385g Gewicht relativ schwer, insgesamt aber gut portabel. An meiner Nikon Z6 ist das Objektiv komfortabel zu benutzen denn die Kamera bietet Fokus Peaking an, was beim manuellen Fokussieren sehr hilfreich ist. Allerdings ist das Objektiv insgesamt so unscharf, dass oftmals der Fokus nicht zuverlässig erkannt wird.
Das Objektiv hat keine Blende, wodurch man es nur bei f/1.2 benutzen kann. Das ist bezüglich der Belichtung auch bei hellem Tageslicht kein Problem.
Das Objektiv ist für 16mm Film gedacht und daher ungeeignet für Kameras mit 36x24mm Sensor. Es kann nur im extremen Nahbereich den 36x24mm Sensor vollständig belichten und vignettiert bei längeren Fokusdistanzen merklich. An einer APS-C Kamera ist keine Vignettierung zu bemerken. Auch beim Zuschnitt auf ein Quadrat (24x24mm des Sensors) ist die Vignettierung nicht weiter störend. Die starke Vignettierung unterstreicht den Vintage- / Retro- / LoFi-Charakter des Objektivs. Die Vigenttierung ist ziemlich abrupt (wie bei manchem billigen Kit-Objektiv), was ich nicht sehr ansprechend finde. Durch Zuschnitt des Bildes kann die Vignette entfernt werden.
Die Abbildung des Objektivs enttäuscht nicht: Insgesamt eher unscharf, starke Verzeichnung und ein wirres, rotierendes Bokeh sind eine schöne Abwechslung zu all den nahezu perfekt abbildenden, modernen Objektiven. Die Fotos sehen aus als wären sie mit einer uralten Kamera aufgenommen.