Infrarot Photographie

Equipment und Technik

Einleitung

In diesem Artikel schreibe ich über die rein technische Seite der Infrarot Photographie und zu Equipment, welches ich dazu nutze.

Als ich mir im Jahr 2015 meine D750 kaufte, war klar, dass ich die D90 kaum mehr einsetzen würde. Ich fand das schade da die Kamera noch super funktionierte und wollte ihr eine neue Bestimmung geben. Also enschied ich, die D90 auf Infrarot umbauen zu lassen. Ich gab sie zu IRreCams um den Sperrfilter, der UV- und Infrarotlicht abhält, gegen einen Tiefpassfilter austauschen zu lassen, der nur Infrarotlicht hindurchlässt. Eine sehr gute Erklärung dazu gibt es auf IR-Photo.net. Durch diese Modifikation eröffnete mir meine alte Kamera neue interessante Möglichkeiten.

Filter

Nach einiger Recherche entschied ich mich für einen 630nm Filter. Das war eine gute Wahl denn die Kamera ist damit ziemlich universell konfiguriert. Es ist immer möglich, einen weiteren Filter mit tieferer Frequenz, z.b. 720nm davor zu setzen und letzter Filter bestimmt dann die Übergangsfreuenz. Umgekehrt geht das logischerweise nicht denn was weg ist, ist weg. Der 630nm Filter ermöglicht schön farbige Bilder und das war genau das, was ich suchte.

Anfang 2021 kaufte ich eine neue Nikon Z50 um sie gleich von IRreCams umbauen zu lassen. Diesmal entschied ich mich für einen Vollspektrum Umbau. Der dabei verwendete Filter lässt Licht mit einer Wellenlänge über 280nm passieren. Über einen Satz Schraubfilter kann ich dann vielfältige Ergebnisse erzielen, inklusive ganz normaler Bilder im sichtbaren Wellenlängenbereich.

Filter sind schon ab etwa 20€ bis 30€ aus China erhältlich. Ob vielfach teurere Markenfilter einen Mehrwert haben, ist für mich unklar. Beim Bandpassfilter für sichtbares Licht um normale Bilder im sichtbaren Spektrum machen zu können ist wichtig, dass dieser auf Absorption basiert (BG / KG) und nicht auf Interferenz (wie z.B B+W 486). Interferenzfilter funktionieren nämlich nicht gut im Weitwinkelbereich. Ursprünglich plante ich bei der D90 einen Umabu auf Vollspektrum aber fand damals nur Interferenzfilter und diese waren, wie auch IR Filter, zudem sehr teuer und das hielt mich letzlich davon ab und ich enschied mich für einen reinen IR Umbau.

Folgende Filter habe ich mir für meine Z50 gekauft:

Warum Tiefpassfilter "Longpass" genannt werden, erschließt sich mir nicht, ist aber hilfreich zu wissen auf der Suche nach Filtern.

Was den Bandpassfilter für sichtbares Licht angeht, finde ich die Situation etwas verwirrend. Üblich sind anscheinend Filter wie BG38, BG39 oder BG40, wobei BG38 der sinnvollste sein soll. BG39 ist angeblich zu blaustichig, BG40 in der Mitte und BG38 lässt noch etwas mehr rot hindurch und ist damit wohl gerade richtig. Das hätte ich im Detail besser vor dem Kauf recherchiert. Meine bisheringen Aufnahmen mit dem BG39 Filter sehen letztlich ganz normal aus aber eine echte Referenz habe ich für die Beurteilung nicht. Wärmeschutzfilter wie KG5 scheinen zwar eine bessere Durchlasscharakteristik im sichtbaren Spektrum zu haben, vor allem im rot, aber sind dadurch deutlich zu rotlastig. Wenn ich einen bekomme, kaufe ich vielleicht einen aus Neugierde.

Auch ziemlich interessant wäre ein Filter mit der Charakteristik UG1 (ZB1 / BG390) oder UG2A (ZB2 / BG3). Dieser Typ Filter hat den Vorteil, dass man in der Bildbearbeitung keinen Kanaltausch durchführen muss und im Feld gleich sieht wie das Foto in etwa werden wird. Das kann vor allem für Video mit eingeschränkten Bearbeitungsmöglichkeiten interessant sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass manche Objektive weniger Hot Spots zeigen und im Falle von DSLR Kameras der Fokus nahe dem des normalen Spektrums liegen soll. Ich kann mir vorstellen, dass ein Nachteil dieses Filters sein könnte, dass die Fotos nicht sonderlich scharf werden aufgrund sehr ausgeprägter chromatischer Abberation. Ich bestellte mir mal einen ZB2 und wenn der irgendwann da ist, werde ich über meine Erfahrung damit berichten.

Die beste Übericht zu Filtern und ihren Eigenschaften habe ich bei IRreCams gefunden.

Filter Transmission

Hier eine nützliche Übersicht von Schott zu Filtern und ihrer Durchlasscharakteristik:

Die Filterbezeichnungen werden von den chinesischen Herstellern gerne verwendet. Ich halte es für eher fraglich, ob deren Qualität an die von Schott heranreicht aber bislang ist mein Eindruck recht positiv.

Beispiel RAW Fotos

Sobald ich all meine Filter habe, möchte ich hier ein paar RAW Bilder aufgenommen mit all meinen Filtern zur Verfügung zu stellen. So kann sich jeder selbst ein Bild der günstigen Filter aus China machen.

Optik

Ich nutze an meiner DX (APS-C) Infrarotkamera nur Optiken, die für den größeren FX (36x24mm) Bildkreis gemacht sind. Das hat mehrere Gründe. Zum einen fand ich nie ein wirklich gutes Objektiv für Nikons DX Kameras. Zum anderen sind Optiken für sichtbares Licht gerechnet und funktionieren je nach Modell besser oder schlechter außerhalb des sichtbaren Spektrums. Der innere Bereich eines Objektivs ist fast immer optisch besser als der äußere Bereich, insbesondere bei weitwinkligen Optiken. Teleobjektive sind eigentlich überall gut. Wird nur der innere Bereich genutzt, treten an den Bildrändern weniger Abbildungsfehler auf. Zudem ist es praktisch, jedes Objektiv an jede Kamera montieren zu können. So komme ich mit weniger Equipment aus. Ich verwende an meiner Infrarotkamera fast ausschließlich das Nikkor 16-35mm bis maximal Blende acht. Es funktioniert ziemlich gut im Infrarotbereich und hat einen sinnvollen Bildwinkel an APS-C, der etwa 24-50mm an Kleinbildformat entspricht und damit perfekt für Landschaftsaufnahmen geeignet ist.

Sehr hilfreich um herauszufinden, ob ein Objektiv tauglich für Infrarotfotografie ist, sind die Erfahrungen deren Nutzer. Hier gibt es ein paar sehr nützliche Informationen:

Eine hervorragende Erklärung der technischen Zusammenhänge fand ich auf der Seite Digitale Infrarot Fotografie.

Anwendung

Das folgende Bild zeigt meine D90 wie ich sie für Infrarotbilder verwende. Das Okular vom Prismensucher ist permanent abgedeckt und die Abdeckung über eine Schnur gesichert damit ich sie nicht verliere. Hinten am Monitor ist ein riesiger Kasten mit Okular um den Monitor bei Tageslicht gut als Sucher verwenden zu können. Zum Fotografieren schalte ich die Kamera in den Live View Modus. Das ist sehr umständlich und unhandlich zudem der Okularkasten viele Knöpfe um das Display herum sehr schwer zugänglich macht. Der Grund für diesen Aufbau ist, dass die Kamera den Fokus im sichtbaren Spektrum erfasst aber das Bild auf dem Sensor in einer anderen Wellenlänge einen anderen Fokus hat und damit unscharf ist. Zudem ist das keine konstante Verschiebung sondern brennweitenabhängig. Das habe ich nicht bedacht als ich die Kamera umbauen ließ und wunderte mich anfangs über unscharfe Bilder. Auch die Belichtung wird bei Speigelreflexkameras im sichtbaren Spektrum gemessen und ist im Infrarotbereich dann nicht korrekt. Dieses Problem tritt nur bei Spiegelreflexkameras auf und es ist auch nicht möglich, es zu lösen. Eine Idee wäre natürlich, vor die Belichtungs- und Fokusmessmodule ebenso einen IR Filter anzubringen nur ist das technisch nicht machbar. Ein Vollspektrum Umbau in Verbindung mit einem Filter vor dem Objektiv sollte das Problem jedoch beheben da nun alles Licht, welches in die Kamera fällt, im gleichen Spektrum ist. In diesem Fall sieht man (abhängig von der Übergangsfrequenz des IR Filters) durch das Prismenokular ohnehin (fast) nichts mehr und Live View bleibt als einzige Option zur Bildkomposition. Durch einen 630nm Filter käme vermutlich noch ausreichend sichtbares Licht um durch den Sucher zu sehen. Bei spiegellosen Kameras gibt es all diese Probleme nicht und Fokus wie Belichtung werden von der Kamera korrekt gemessen und die Kamera kann ganz normal benutzt werden.

Meine Nikon D90 habe ich verkauft und nutze ab dem Jahr 2021 die Nikon Z50. Der Hauptunterschied ist die komfortablere Nutzung der Z50. Der modernere Sensor hat zudem mehr Dynamikumfang, was ich aber bisher in der Praxis noch nicht bemerken konnte. Die bessere ISO Leistung bringt kaum Vorteil weil ich nur tagsüber fotografiere und damit genug Licht vorhanden ist.

Infos und Service

Hilfreiche Informationen zum Thema Infrarotfotografie gibt es bei:

Umbauten in Deutschland bietet IRreCams an.

Infrarot Portfolio

Alle Farbbilder sind mit der Nikon D90 und 630nm Filter aufgenommen.
Ein paar wenige schwarz-weiss Bilder sind mit einem 950nm Filter entstanden.

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